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Hohe Schule


...bis ich mir mit 18 mein erstes kleines Häuschen am See gemietet habe. Es war eine alte Feriensiedlung. Und eines der kleinen Häuser war jetzt " meines" . Meinen 19. Geburtstag - ich habe im Februar, wollte ich in meiner kleinen Stube feiern. Dazu muß man sagen das Haus hatte nur 38qm.

Ich lud meine Familie zum Frühstück ein.

Meine Mutter hatte mittlerweile wieder geheiratet, und nochmals 4 Kinder bekommen. Es war alles gedeckt, und wir wollten beginnen. Die Kinder spieleten draußen. Frauke wollte die anderen Kids zum gemeinsamen Essen holen. Bis die Horde hereinstürzte, und berichtete Frauke (meine Schwester), sei ins Wasser gefallen. Sie hatten verbotener Weise geglitscht, und aufgrund starker Überschwemmung, war nicht mehr zu erkennen was Wiese, und was Fluß war. Wir suchten alle, ich löste mich dann von der Gruppe, habe sie gefunden und aus dem Wasser geholt, aber sie lebte nur noch einen Tag.

Dieses Erlebnis war sicher einer meiner (und natürlich der ganzen Familie) höchsten Schulen. Ich habe danach sofort Begleitung von vielen Seiten erhalten, aber wirklich helfen kann da keiner-nur die Zeit.

Ich habe es dann nicht mehr lange an diesem Ort ausgehalten, und auch nicht in der damaligen Praxis, da ich immer diejenige blieb welche...und die Geschichte nie still wurde. So zog ich zu meinem damaligen Partner, und überlegte daß ich wieder näher am Menschen arbeiten möchte. Ich ging in die ambulante Pflege. Und ich habe es geliebt wieder dichter an den Geschichten sein zu können, mit Kleinigkeiten einen Moment schöner machen zu dürfen. Diese Menschen damals waren wieder große, große Lehrmeister. Ich könnte sie noch heute nach 24 Jahren alle beim Namen nennen. Sie alle waren Kriegsgeneration, und haben den Tod gesehen, wie ich, und sie haben beschlossen sich dadurch nicht dauernd und ständig in jeder Minute ihres Seins vereinnahmen zu lassen, sondern dieses Geschenk des Leben bis zum letzten Atemzug zu genießen.

Ich dachte ich habe somit Ruhe in meiner Geschichte Tod gefunden, bis zu dem Moment in dem es einige Kilometer weiter eine Gesundheitsmesse gab (übrigens danach nie wieder an diesem Ort). Wieee spannend dachte ich, bin unbefangen drauf los und las das Schild: TCM: HEUTE KOSTENLOSE PULSDIAGNOSE. Suuuper - will ich machen!! Ich setzte mich, und der heute Kollege spürte, sah mich an und sagte: wenn du dir nicht anschaust was da vor einigen Jahren gewesen ist, wird es dich krank machen. * ZONK *

Aus der Traum von alles in Butter. Mich hat es absolut fasziniert, natürlich auch wieder traurig gemacht, aber die Faszination war größer. Und so hat er mich 2 Jahre lang als Therapeut zur Aufarbeitung begleitet. Und ich habe soviel gelernt: in erster Linie über mich, über die Dinge zwischen den Welten, über Medizin mal anders.....und ich war angefixt!!

​© 2019 Tanja Böttcher - Bandia - www.bandia.eu