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Dann ging es weiter

....ins große System. Damals gab es noch die Orientierungsstufe ( ich habe sie gehasst) und das Leben hat mich gelehrt was es heißt in einem System untergehen zu können. Ich wurde zum kleinen Rebell, machte gern den Klassenclown und habe erstmal abgelegt sensibel und offen zu sein.

Besser war es gefühlt.

Außerdem wurden Feten interessant, und alles wa dazu gehört. Eine andere Art Leben wurde ausprobiert. Irgendwann stand die Entscheidung an: was machen, nach all dem "Nützlichen" welches man sich so angeeignet hat. Abi oder Beruf. Und für mich war klar, ich möchte los und raus um mit Menschen zu arbeiten. Ich begann also eine Ausbildung bei einem Allgemeinmediziner. Dr. Axt. Ja Du liest richtig. Es war eine kleine Landarztpraxis in der sich gefühlt alles fand, was die Medizin hergibt. Von Enthauptungen unter dem Kreiselmäher, Kindergartenuntersuchungen, Angelhaken in der Hand durch Suff am See, Krebsvorsorgen, Leichenschauen, kleine Op`s ( er liebte es zu schneiden vor allem spontan Freitagnachmittag) und vieles mehr. Es war für mich hohe Schule, und ich habe sie geliebt, diese Schule. Dr. Axt hat es geliebt, mich, in seinen Augen, zu prüfen. So zitierte er mich zwischendurch immer wieder in den Untersuchungsraum, und testete : " Fräulein Böttcher, die Patientin klagt über....es findet sich...welche Fragen stellen sie, welche Untersuchung schlagen sie vor..." Und ich habe es ebenfalls geliebt!! Es war besser als jeder Krimi, sich langsam an den Kern der Ursache vorzutasten bis man den Übeltäter hat, und ich bin ihm heute noch zutiefst dankbar für das Vertiefen der Faszination Mensch!

Irgendwann fing es in der Praxis an zu kippen. Der Computer kam, und da ich die Hauptkraft war, hatte ich mich mit diesem anzufreunden. Es funktionierte nicht wirklich. Er entfernte mich vom Menschen, entfernte mich von der Medizin, entfernte mich von Geschichten, entfernte mich vom trösten. Doch ich blieb noch einige Zeit dort, bis.....



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